Bischöfin Dr. Beate Hofmann während ihres Berichts vor der Landessynode. | Quelle: medio.tv
Bischöfin Dr. Beate Hofmann während ihres Berichts vor der Landessynode. | Quelle: medio.tv

Bericht vor der Landessynode

Bischöfin Dr. Hofmann: «Kirche nach Corona wird nicht sein wie Kirche vor Corona»

Kassel (medio). Der Bericht von Bischöfin Dr. Beate Hofmann, der die virtuelle Zusammenkunft des Kirchenparlaments am Samstag (30.1.) einläutete, stand unter dem Eindruck der Pandemie, die schmerzliche Aktualität erhalten hatte: Job Henock Ubane, der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche im südlichen Afrika – Partnerkirche der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) –, ist am 28. Januar an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Er hatte am Einführungsgottesdienst der Bischöfin im Herbst 2019 teilgenommen. Sein Tod löste tiefe Betroffenheit aus, heißt es in einer Mitteilung der Landeskirche.  

 

«Gebeutelt, gezeichnet, verändert» - was ich da im Sommer über meine Corona-Thesen geschrieben habe, das erfahren wir gerade in ungeahnter Wucht. Viele spüren die Erschöpfung, die Spuren, die die letzten Monate hinterlassen haben», sagte die Bischöfin. Sie dankte allen Haupt- und Ehrenamtlichen der EKKW, die in den letzten Monaten «viel Kraft, Energie und Kreativität aufgebracht haben, um als Kirche vor Ort präsent und lebendig zu sein», aber auch Regierung und Verwaltung, Mitarbeitenden in Gesundheitsämtern, Pflegeeinrichtungen und Friedhöfen, Partnern in Ökumene und anderen Organisationen für die Zusammenarbeit und die Anstrengungen, coronatauglich weiterzuarbeiten, Menschen vor dem Virus zu schützen und Erkrankte zu begleiten. 

 

Hoffnungsbilder: Totengedenken, Chormusik und Wertschätzung für Pflegende

«Was hilft in so einer Situation durchhalten? Woher kommt die Energie, wieder aufzustehen in all dem, was müde macht und Kraft raubt», fragte die Bischöfin. Sie entwarf Hoffnungsbilder als «Kraftquelle auf dem langen Marsch durch die Wüste der Pandemie». So könnten an Karfreitag vor den Kirchen Kerzen brennen, um an jene Menschen zu erinnern, die im jeweiligen Ort an Covid-19 gestorben sind. Damit lasse sich zeigen, «wie wir aus unserem Glauben an Jesus Christus heraus Sterben und Trauern begleiten und Erinnerungskultur gestalten», so die Bischöfin. Sie stellte zudem die Mitarbeitenden in Pflege und Erziehungsberufen heraus, deren Arbeit als gesellschaftlich relevant anerkannt, angemessen bezahlt und wertgeschätzt werden müsse. Vor Augen stehe ihr zudem ein großes Sänger- und Bläserfest, ein «wir dürfen wieder und können wieder mit Herz und Mund singen, aus voller Kehle und mit aller Kraft.» Sie wünsche sich, dass Kirche weiter als offene Kirche erlebt wird. 

 

Bildquelle: medio.tv
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Lehren aus der Pandemie: Digitalisierung und Ethiklotsen

«Viel Neues ist entstanden, viel Vertrautes ist nicht mehr möglich gewesen. Kirche nach Corona wird nicht sein wie Kirche vor Corona», bilanzierte Bischöfin Hofmann. Sie verwies auf die Möglichkeiten des Digitalen und auf neu entstandene Gottesdienstformate. «Wir werden die Chancen und Möglichkeiten digitaler Verkündigung, Bildung und Seelsorge weiter erkunden und ausbauen», kündigte sie an. Dies auch mithilfe eines oder einer Beauftragten für Digitalisierung; eine entsprechende Stelle sei derzeit ausgeschrieben.  

 

Auch im Bereich Seelsorge habe man «neue, oft bedrängende Erfahrungen» gesammelt, denn Trösten brauche Kontakt, Nähe und Berührung, bemerkte die Bischöfin. Um die vielen ethischen Fragen, die die Pandemie aufgeworfen habe, bearbeiten zu können, seien Gesprächsräume nötig. Dazu habe die Landeskirche das Projekt «Ethiklotsen» gestartet: Eine Gruppe von 12 Seelsorgerinnen und Seelsorgern sammele derzeit im Kontext von Altenheimen Erfahrungen, wie Gespräche zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen, Pflegenden, Heimleitungen und Seelsorgenden gestaltet werden können. So sollen schwierige Situationen geklärt und das Dilemma zwischen Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner, ihrem Kontaktbedürfnis und dem ihrer Angehörigen sowie dem Schutz der Gesundheit von allen Bewohnerinnen und Bewohnern und den Pflegenden so gut wie möglich ausbalanciert werden, erläuterte die Bischöfin.  

 

Diskussion über Absage von Gottesdiensten

Die Auseinandersetzung mit Dilemmasituationen habe auch viele Kirchenvorstände und andere Leitungsgremien im Blick auf Hygienemaßnahmen, Absage von Gottesdiensten und Veranstaltungen beschäftigt. Im ersten Lockdown habe die Kirchenleitung schnell entschieden, für sechs Wochen alle Veranstaltungen abzusagen. «Damals wussten wir fast nichts über Ansteckungswege, über Schutzmöglichkeiten und Hygienekonzepte, hatten keine Schutzausrüstung oder Masken. Darum war die Absage ein notwendiger Schritt, um Menschenleben und Gesundheit zu schützen», erläuterte die Bischöfin. Inzwischen müsse vor Ort entschieden werden, «was verantwortlich möglich ist angesichts von Inzidenzzahlen, Raumgrößen, helfenden Händen und Veranstaltungskonzepten».  

 

Diese hohe Verantwortung hätten viele als große Anforderung, manchmal Überforderung erlebt. «Es gehört aber zu den Fundamenten der evangelischen Kirche, dass Gemeinden den Gottesdienst selbst verantworten und nicht die Kirchenleitung », sagte Bischöfin Hofmann und ergänzte: «Und es ist eine Stärke der evangelischen Kirche, dass so viele Menschen gemeinsam in diesen Tagen Verantwortung übernehmen und miteinander überlegen, was jetzt notwendig und notwendend ist.» 

 

Text: ekkw.de

Bildquelle: medio.tv


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